NLP, eine Technik auch
für Naturheilkundige?


 
Das "neurolinguistische Programmieren", das die meisten Leser wohl besser unter seiner Abkürzung NLP kennen, ist eines der neueren Kommunikations- und Veränderungstechniken aus den USA. NLP funktioniert auch etwas anders als die meisten Verfahren, die sich mit psychischen Veränderungen beschäftigen, und dies ruft dann manchmal die Skepsis des Europäers hervor. NLP beschäftigt sich nicht vorwiegend mit der Frage, warum ein Mensch dies oder jenes nicht kann, sondern stellt eher die Frage, wie und wodurch Menschen etwas erreichen können. NLP ist lösungsorientiert und nicht problemkonzentriert wie die meisten Techniken, die sich mit seelischen Veränderungen befassen. Das heißt für den Therapeuten und Berater "Abschied nehmen vom alten problembezogenen Denken und Handeln". Menschen, die sich mit NLP beschäftigen, wollen i.d.R. eine Kommunikations- und Veränderungsmethode in die Hand bekommen, die sie auch schnell anwenden können.

Oft läßt die Realität des Alltags, die Vorgaben für eine therapeutische Intervention oder die Erkenntnis, zur Problemlösung nicht die nötige Zeit, um mit den oft sehr komplexen Modellen der klassischen Therapie zu arbeiten, deren Wirkung oft auch nicht abschätzbar ist.
NLP ist gedacht für Menschen, die eher zupacken wollen und können anstatt über Sinn und Unsinn einer Theorie zu philosophieren; für Menschen, die eher einer Technik den Vorzug geben, die erwiesener maßen in kurzer Zeit funktioniert, als einer Therapieform, deren Ausgang ungewiß ist oder die zur Verfügung stehende Zeitspanne überschreiten würde.

Bandler und Grinder, die Begründer des NLP, waren auf der Suche nach einer Methode, die auch wirklich funktioniert und allgemein lernbar sein sollte. Ihre Überlegung war, dass die "großen Therapeuten" wohl eine Methode oder Struktur besaßen, die ihnen half, Menschen in ihrem Bestreben nach Veränderung zu unterstützen. So wurden sie Schüler der großen Therapeuten ihrer Zeit. Einer der ersten und wohl auch wichtigsten Vertreter seiner Zunft, den sie dabei genau studierten, war der legendäre Hypnosetherapeut Milton H. Erickson, dessen Prägungen auch heute noch im NLP aufzuweisen sind.
Um genau das herauszufiltern, was den jeweiligen Therapeuten so erfolgreich macht, entwickelten Bandler und Grinder die Technik des . Modellieren bedeutet, das Modell und/oder die Struktur zu entschlüsseln, welche "hinter" den effektiven Interventionstechniken derjenigen liegen, die erfolgreich sind. Diese Modelle sollten dann lern- und vermittelbar sein, damit auch andere Menschen sich diese Technik aneignen können, um ebenso (oder fast so) erfolgreich zu sein wie das Original.

Die jeweiligen besuchten überragenden Therapeuten, Erickson, Perl oder Virginia Saire wussten selbst nicht genau, was sie in ihren therapeutischen Interventionen so einzigartig und erfolgreich machte. Warum sie etwas taten, war ihnen - zumindest im Nachhinein - klar, aber dabei nicht ganz genau, wie sie dies innerlich vorbereiteten und welche Strukturen, Methoden und Modelle diesem Handeln zugrunde lagen. Für sie war es evident, daß sie bei ihren Klienten in bestimmten Situationen etwas machten, aber warum sie dies letztendlich taten, war ihnen selbst nicht bewußt. Es gab wohl von ihnen oder anderen Menschen entwickelte Theorien, die ihr "therapeutisches Handeln" erklärten, aber es genügte ganz einfach nicht, sich diese Theorien anzueignen, um dann selbst so erfolgreich therapieren zu können, wie sie. Bandler und Grinder erforschten und ergründeten alsdann die inneren Strukturen, die diese Menschen befähigte, so erfolgreich intervenieren zu können. Nicht nur Erickson, Perl oder Virginia Saire wurden "modelliert", sondern auch alle andere Menschen, die in den Bereichen Kommunikation und/oder seelische Veränderungen oder Einstellungen Hervorragendes geleistet hatten.

Als erste Ergebnisse wurden dann die Strukturen der Kommunikation entwickelt, die ja letztendlich erst eine effektive Einflussnahme auf den anderen Menschen ermöglicht. Alsdann wurden die Strukturen und Modelle ergründet, die das Verhalten bestimmen und lenken. Es folgten Techniken der Veränderung von Werten, Glaubenssätzen und Identitätsmerkmalen. Neuerdings entwickelt der hervorragender NLP-Weiterentwickler Robert B. Dillts sogar Modelle, um auf der spirituellen oder Zugehörigkeitsebene Lösungsmöglichkeiten zu entwerfen. Dies alles zeichnet Bandler und Grinder und das von ihnen entwickelte NLP gar nicht mal besonders aus. Vor ihnen wurden diese Strukturen von anderen Forschern auch schon erforscht und dokumentiert. Das besondere an Bandler und Grinder und am NLP ist, daß diese Erkenntnisse so aufgearbeitet worden sind, dass sie nachzuvollziehen, wiederhol- und lernbar sind.

NLP wurden von ihren Begründern als "Werkzeugkiste" von Techniken erdacht, die jeden Menschen befähigen sollten, sehr gute Kommunikation und schnelle, effektive Veränderungen zu bewirken. Diese Fähigkeit sollte jeder Mensch für sich auch nutzen können. Ihnen wurde dann jedoch vorgehalten, daß sie jedem, der es wollte, mächtige Interventionswerkzeuge der Kommunikation und Veränderung lieferte, ohne dabei ethische Bedenken zu haben. D.h., die Modelle und Strukturen, die Bandler, Grinder und seine Nachfolger (z.B. Dillts) entwickelten, konnten auch von Menschen erlernt werden, die sich nicht vorher jahrelang mit Psychologie beschäftigt haben mussten. NLP Modelle sind so klar und einfach strukturiert, daß jeder, der es will, sie sich aneignen und einsetzen kann. Auch neustrukturierte Lerntechniken wurden im NLP integriert, wodurch es noch effizienter wurde.
Insgesamt wurde die Ausbildungsmethode strukturiert und neu geordnet. Man muss beim Lernen von NLP nicht alle Ausbildungsstufen durchgearbeitet haben, um etwas (bei sich selbst und/oder anderen Menschen) bewirken zu können, sondern jede Stufe ist ein in sich geschlossenes System, dessen Einzelteile auch gesondert und für sich alleine effektiv eingesetzt werden können.
 


Das Ausbildungssystem des NLP stellt sich folgendermaßen dar:

Im sechstägigen Basiskus werden die grundlegenden Kommunikationsstrukturen und einfache Veränderungsstrategien auf der Verhaltensebene vermittelt. In dem sich anschließenden zwölftägigen Practitioner-Kurs werden dann die Modelle zur Verhaltensveränderung verfeinert, und auch schon die Bereiche Werte- und Glaubensstrukturen gestreift. Ein Testing und anschließende Supervisionen beenden dann die einzelnen Ausbildungsblöcke. Nach den Richtlinien z.B. des DVNLP (Deutscher Verband NLP) würde dann die zwanzigtätige Ausbildung mit anschließender zweitägigen Supervision (zusammen mindestens 200 Unterrichtsstunden) mit dem NLP-Practitioner-Zertifikat bescheinigt. Glaubens- und Identitätsstrukturen werden dann im Master-Practitioner-Kurs vertieft, der dann auch in der sog. Couch-Ausbildung mit zusätzlichen Projekt- und Selbsterfahrungsblöcken angereichert ist.
Der unschlagbare Vorteil des NLP's in seiner sehr verfeinerten strukturierten Form macht selbst komplizierte und unüberschaubare Teile seiner komplexen Werkzeuge und Strategien lernbar, weil sie immer wieder in einzelne Blöcke zu Lerneinheiten zerlegt werden, die dann in sich überschaubar sind, so daß sie sich gut angeeignet werden können.
Ein weiterer Vorteil des NLP ist seine Zielorientiertheit und die Präzision dessen, was erreicht werden soll. Das führt natürlich dazu, das sich der/die AnwenderIn und der/die KlientIn über das zu erreichende Ziel klar sein müssen, denn die Vorgabe des Ziels bedingt auch gleichzeitig die jeweilige Technik, die eingesetzt werden muß, um den nötigen Erfolg zu sichern.

Die Wirtschaft und die Sonderpädagogik haben NLP bereits schon angenommen, und profitieren davon. Ernstzunehmende Bestrebungen, NLP auch als eigenständigen Zweig der Psychotherapie anzuerkennen, werden von praktizierenden Therapeuten forciert.
Nur bei den Hebammen und Heilpraktikern scheint es eine anhaltende Scheu zu geben, NLP als Möglichkeit für eine bessere Betreuung anzunehmen und zu verwirklichen. Vielleicht glauben Hebammen und HP als Vertreter der Heilberufe, daß NLP sich vielleicht vorzüglich für Wirtschaft, Pädagogik und Therapie eignet, aber nicht für ihre eigene spezielle Aufgabenstellung. Es gib jedoch schon sehr gute Erfahrungen mit NLP in der Schwangerschaftsbetreuung und Heilung. Vielleicht fehlte bis jetzt ja auch nur der ernsthafte Versuch, NLP auf die spezielle Thematik der Naturheilpraxis und der Schwangerschaft einzustellen, und dadurch spezielle Anwendungsstrukturen zu entwickeln?
NLP stellt einen so gut gefüllten "Werkzeugkasten" bereit, daß es in der Tat sehr schade wäre, wenn die Heilpraktiker, Berater, Therapeuten und Hebammen mit ihren ihnen anvertrauten Männern und Frauen nicht davon entsprechend profitieren würden. Sich dem Neuen und Ungewohnten zu stellen fällt manchmal nicht leicht! Aber man kann auch sehr viel dabei gewinnen. NLP ist jetzt schon so lange in seiner Tauglichkeit, Zuverlässigkeit und Sicherheit erprobt worden, daß es auch für Naturheilkundigen kein unkalkulierbares Risiko (mehr) ist, sich darauf einzulassen.

Peter Paul Markfort und Eva-Maria Müller-Markfort
 
Alle hier veröffentlichten Beiträge der Autoren stehen  nur für Privat- und Schulungszwecke  zur freien Verfügung.

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