Traumdeutung
in der Naturheilpraxis!
Die Deutung der Träume als unterstützende oder alleinige Therapie, um psychosomatische und psychisch beeinflussbare Erkrankungen besser behandeln zu können.
Träume sind die wahrnehmbaren Bruchstücke des nächtlichen Verarbeitungsprozesses unseres Unbewußten. Mit ihren gehaltvollen und phantastisch besetzten emotionalen Bildern erzählen uns die Träume eine Geschichte, die etwas Zentrales mit der Identität, den Wünschen und den wesenhaften Bestrebungen des Träumers zu tun hat. Das Wesen der Träume und ihre - dem Wachbewußtsein - meist verborgene Botschaft beschäftigt die Menschen seit Anbeginn. Diese ihr innewohnende Botschaft und Macht zu entschlüsseln, war allezeit das Bestreben des Menschen in allen Kulturen.Die Arbeit der naturheilkundlichen Ärzte und Heilpraktiker beinhaltet neben den naturheilkundlichen diagnostischen und behandelnden Tätigkeiten immer auch die seelische Begleitung des Kranken und dessen Angehörigen. Psychologische Techniken und Werkzeuge können dem naturheilkundlichen Arzt, Heilpraktiker, psychologischen Berater und angagierten Hebamme seine/ihre besondere Aufgabenstellung erleichtern und ihn dadurch befähigen, seine/ihre Tätigkeit interessanter und effektiver zu gestalten. Gerade durch die Kombination von manuellem, medizinischem und naturheilkundlichen Wissen und Geschick, verbunden mit einer fundierten zwischenmenschlichen Kompetenz, schafft der Naturheiler und die Hebamme erst den Rahmen, wodurch seine/ohre Einzigartigkeit begründet bzw. erhalten wird.
Neben dem Rapport, den der Heilpraktiker oder Arzt zum Kranken aufbaut, hält und festigt, kann die Kenntnis bzw. Fähigkeit zur gehaltvollen Traumdeutung den Weg zu einer natürlichen ganzheitlichen Heilung beschritten oder geebnet werden. Der naturheilkundliche Therapeut ist auch immer Psychosomatiker. Und von daher ist es für ihn sehr wichtig, auch gute handhabbare Interventionsstrategien an die Hand zu bekommen, die im seelischen (psychischen) Bereich nachhaltige Wirkungen zeigen, um damit auch den krankhaften körperlichen (somatischen) Symptomen begegnen zu können.Der Vater der modernen Psychotherapie, Sigmund Freud, sah die Traumdeutung als "Königsweg zum Unbewußten" an. Nach Freud's Auffassung waren die Verdrängung der Wünsche und Vorstellungen ins Unbewußte die Ursache für die Träume. Und von daher war es äußerst wichtig, daß die Inhalte der Träume ins Bewußtsein transferiert wurden, damit Neurosen und andere seelische Störungen ihren Nährboden bzw. ihr Fundament verlören, indem man mit Hilfe der Traumdeutung die (verdrängten) Wünsche aufdeckt und wiederbelebt.
Die heutige Einstellung der meisten tiefenpsychologisch orientierten Psychotherapeuten zu den Träumen ist ein wenig anders als die freudsche Einstellung, da heute die Träume als Verarbeitungsprozeß der seelischen Inhalte angesehen werden, und nicht als etwas, das vom Wachbewußtsein verdrängt wird. Die Annahme, daß die Träume auch i.d.R. die Wünsche und Vorstellungen des Träumers beinhaltet, steht dem nicht entgegen. Doch die Vorstellung, was Träume sind, ist inzwischen doch recht erweitert worden. Wenn die Träume der Ausdruck eines innerseelischen Verarbeitungsprozesses sind, wie dies als seriöseste Beschreibung akzeptiert wird, kann man es sich mit der Traumdeutung auch nicht mehr so einfach machen, wie es Freud und Jung noch konnten. Denn dann gibt es nicht mehr "DIE" Traumdeutung, sondern immer nur eine subjektive Traumdeutung. Alle Bücher, die vorgaukeln, eine auf alle Menschen anwendbare eindeutige Deutung parat zu haben, sind demnach Mumpitz. Und selbst Freuds und Jungs Auslegungen der Träume sind immer nur für Freud und Jung zutreffend! Wohl gibt es die sog. Archetypen, doch sind diese auch nicht so feststehend wie Jung sich dies aus dem Wunsch nach "Eindeutigkeit" vorgestellt hat.Die Archetypen sind folglich nur ein Hilfsmittel, um sich in der Welt der Metaphern zu orientieren. Sich der Archetypen zu bedienen ist gewiß besonders für den Anfänger sinnvoll, darf aber nicht dazu führen, daß die gewonnene, abgeleitete Deutung den Stellenwert von absoluter Wahrheit erhält.
Träume sind immer etwas Persönliches, und nur im Lebens- und Existenzzusammenhang des Träumers zu sehen. Der Sinn der Traumdeutung ist für den Behandler nicht die Diagnose oder Analyse des Träumers, sondern praktizierte Unterstützung. Träume drücken immer eine Beziehung aus, welche der Patient zu sich selbst, seinem Körper, einem anderen Menschen oder der Welt hat. Dies ist dem Träumer jedoch meist nicht bewußt. Mit Hilfe einer fundierten Auslegung kann dem Patienten der Zugang zu seinem Unbewußten eröffnet werden, damit er für sich einige seiner inneren Beziehungsmuster versteht. Die daraus resultierende Klarheit soll ihm dazu verhelfen, mit seiner/ihrer Angst (besser) umzugehen, was zur Folge hat, daß sie reduziert wird, und so mehr innere Freiheit freisetzt. Der innere Freiheitsgewinn führt in der Regel zur Entspannung und Angstreduktion, welche dann zur Gesundung dadurch beitragen, daß sie die Selbstregulations- und -heilungskräfte freisetzen.
Die vor, in und nach einer Ausbildung gewonnene Selbsterfahrung mit der Interpretation der eigenen Träume ist die natürlich Voraussetzung, um mit der Traumdeutung fundiert umgehen und sie anwenden zu können.Doch wie soll denn sinnvoll gedeutet werden, wenn vergleichende Deutungen mit Traumdeutungsbüchern nicht der richte Weg ist? Die Antwort ist, daß die Träume durch die Technik der "freien Assoziation" so aufgearbeitet werden, daß eine Deutung möglich wird.
In der Realität sieht dies so aus, daß der Patient seinen Traum insgesamt erzählt und der naturheilkundliche Therapeut ihn ohne Bewertung auf sich wirken läßt. Dann geht der Arzt oder Heilpraktiker auf die einzelnen Teile des Traumes dadurch ein, daß er den Patienten fragt, was ihm zu diesen Teilen des Traumes einfällt, und was er dabei fühlt. Die Fragen sollen dazu führen, daß sowohl der deutende Behandler, als auch der Patient, mehr Klarheit zu den einzelnen Teilen des dargebotenen Traumes erhält. Die dabei (eventuell) entstehenden aufkommenden Affekte sind bei dem Patienten zuzulassen. Auf keinen Fall darf der Heilpraktiker oder Arzt auf die unter Umständen starken Gefühlsausbrüche des Patienten zudeckend reagieren, sondern muß ihm darin unterstützen, daß die aufkommenden Emotionen mit der nötigen Ruhe in dem "geschützten Rahmen" der Praxis verarbeitet werden. Auf diese Art und Weise werden dann alle einzelnen Teile des Traumes bearbeitet, ohne daß zuerst ein Zusammenhang untereinander hergestellt wird. Erst wenn alle Teile des Traumes so bearbeitet worden sind, wird die Synthese - bzw. die Deutung - angestrebt.
So wie der Therapeut unterstützend die Analyse der einzelnen Teile des Traumes bei dem Patienten gefördert hat, fördert er dann auch deren Synthese dadurch, daß er z.B. den Patienten fragt, was dieser Traum nun mit ihm und seinem Lebenszusammenhang zu tun hat. Die Unterstützung des Heilpraktikers oder Arztes kann sich auch in der Richtung erstrecken, daß der Behandler dem Patienten eine mögliche Deutung (die ihm selbst eingefallen ist) anbietet, damit er diese bei sich selbst überprüfen kann. Diese Deutung wird dann als Angebot eines möglichen Modells dem Patienten angeboten, und nicht etwa als etwas Feststehendes.
Der naturheilkundliche Behandler schafft und fördert die notwendige Atmosphäre, damit der Patient zuerst seinen Traum nacherzählt und nachempfindet, ihn also mit Hilfe der "freien Assoziation" selbst analysiert, um ihn dann - mit der Unterstützung des Therapeuten - selbst zu deuten. Dadurch gewinnt der Träumer eine Unabhängigkeit von dem Deuter seiner Träume, und vielleicht auch - durch Generalisierung - von anderen Bewertungsinstanzen (im Beruf, als Person usw.)! Die Arbeit, die der Arzt oder Heilpraktiker als Traumdeuter leistet, ist seiner Arbeit als Psychosomatiker wesensgleich, wo er ja auch einen natürlichen Veränderungsprozeß dadurch hilfreich unterstützt und fördert, daß er die nötige Unterstützung gibt und den nötigen Rahmen schafft, um Gleichgewicht und Gesundheit zu ermöglichen und erlebbar zu machen. In beiden Fällen setzt der Therapeut auf die Kompetenz des Patienten, seine Aufgaben selbst zu regeln und zu lösen und fördert dadurch die Eigenständigkeit bzw. das Selbstbewußtsein des Menschen, der als Patient zu ihm kommt. Die Arbeit mit der vorgestellten "strukturierten assoziativen klientenkonzentrierten Traumdeutung", ist eine der seriösesten und schönsten Techniken, welche die Arbeit des Naturheilarztes, des psychologischen Beraters und des Heilpraktikers im Bestreben nach nebenwirkungsfreier ganzheitlicher Therapien bereichert.
Autor: Peter P. Markfort
Alle hier veröffentlichten Beiträge des Autors stehen nur für Privat- und Schulungszwecke zur freien Verfügung.